Whiskytour in Schottland – Teil 1

Reisevorbereitung der Whiskytour in Schottland
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1. Oktober 2018

Tag 1 – Anreise und Erkundung Edinburgh

Die Whiskytour steht kurz bevor und die Reise zum Frankfurter Flughafen ist angetreten. Am Flughafen habe ich mich mit meinem Freund und Whisky-Kenner Stephan getroffen, um uns auf die gemeinsame Expedition zu begeben.

Der Lufthansa-Flug hatte eine Stunde Verspätung, aber wir sind dennoch entspannt in Edinburgh bei bestem Wetter angekommen. Schon in Deutschland habe ich geprüft, ob der Uber-Service in Edinburgh funktioniert und bin gespannt, diesen endlich auszuprobieren. Der erste Anlauf ist an der mangelhaften Datenqualität gescheitert. Wir sind schnell auf die Stephan bekannte Alternative „Airlink“ gestoßen. Dieser Bus hat uns für 4,00 Pfund direkt zur Airbnb-Unterkunft gebracht. Da wir spät gelandet sind, war eine Übernahme unseres Mietautos am gleichen Tag nicht mehr möglich. Wir haben eine Übernachtung in Edinburgh eingeplant. Nach der Kurzinspektion der Unterkunft wurde direkter Kurs auf die Innenstadt genommen. Der Hunger hat uns durch die idyllische Altstadt an einem lauen Sommerabend getrieben.

 

Auf unserer Agenda des Abends standen Burger und Whisky. Wir haben einen interessanten, alternativen Pub gefunden. Ich habe den „Crazy Chicken Burger“ mit Süßkartoffel-Pommes bestellt. So einen herausragenden Chicken-Burger habe ich zuvor noch nie gegessen. Hinzu kam die brilliante Aussicht auf das Edinburgh Castle.

 

Tasting in der Scotch Malt Whisky Society

Das letzte Ziel für den ersten Tag war das Auktionshaus Bonhams und die Scotch Malt Whisky Society (SMWS). Da in dieser Woche weder eine Auktion noch ein Whisky-Experte zur Verfügung stand, haben wir uns kurzerhand entschieden, nur ein paar Bilder zu machen.

Beim Besuch der Whisky Society lag der Fokus ganz woanders. Die Fotos erfüllten lediglich den dokumentarischen Zweck.
Wir haben uns nach der Ankunft in das Whisky-Konzept der Vereinigung einweihen lassen. Die SMWS legt maximalen Wert auf das Geschmackserlebnis. Deswegen wird die Herkunft nur durch die Angabe der Region preisgegeben. Die Whiskys sind in speziellen Flaschen der SMWS abgefüllt, die sich nur durch die Informationen auf dem Label voneinander unterscheiden. In der SMWS haben wir dann nach einer kleinen Beratung zwei verschiedene Whiskys ausgewählt. Stephan hat sich den 10-jährigen Dalmore herausgegriffen. Der Dalmore schmeckt fruchtig und leicht nussig. Am Ende ist auch eine leichte Schokoladen-Note erkennbar.

 

Ich habe mir einen 16-jährigen Strathisla aus den Highlands ausgewählt, der mit über 60% Vol. sehr stark war. Nach der Hinzugabe von ein paar Tropfen Wasser kamen die Schokoladen-, Karamell- und salzigen Aromen zur Geltung. Der Besuch der Scotch Malt Whisky Society war ein gelungener Abschluss des Anreisetags und geglückter Start unserer Whisky Tour.

The Scotch Malt Whisky Society
Whiskytour Schottland

Tag 2 Glengoyne und Reise nach Islay

Sonnenaufgang in Edinburgh

Mit einem frühmorgendlichen Lauf durch die Innenstadt und Parks Edinburghs erkundete ich in aller Ruhe den historischen Teil der Stadt. Die Sonne schien und untermalte die altertümliche Eleganz vieler Wahrzeichen. Mir hat in erster Linie das Castle Edinburgh, der Park am Felsen und der Kanal (LINK) gefallen. Die 10 km waren unheimlich abwechslungsreich und gaben mir viele Eindrücke. Wir haben um 9:00 Uhr unseren VW Caddy beim Wohnwagenverleih „Spaceships“ in der Nähe vom Flughafen entgegengenommen. Endlich habe ich Uber ausprobiert und bin vom Service und der Kommunikation positiv angetan.

 

Die Fahrten über die engen Landstraßen Schottlands sind abenteuerlich und sind in der Zeitplanung großzügiger zu berücksichtigen. Um 10:30 Uhr sind wir an der ersten Destillerie „Glengoyne“ angekommen. Ich habe mir so eine Brennerei etwas großer vorgestellt. Von Edradour kannte ich die Abmaße aus einem Internetvideo und war vorbereitet. Glengoyne hatte ich deutlich größer vermutet.

Brennereiführung Glengoyne

 

Wir traten aufgrund der frühen Ankunftszeit unsere gebuchte Brennereiführung eine Stunde früher an. Die herzliche Begrüßung erfolgte mit einem vollen Whiskyglas des 12-jährigen Glengoyne. Das Marketingvideo stellte die langen historischen Wurzeln der Brennerei da.

 Tasting

Ich probierte die Destillery-only-Edition vor der Tour. Die Kombination des fruchtigen, süßlichen Geschmacks und der pfeffrigen Note beeindruckte mich. Der 12-jährige Glengoyne, den es zum Beginn der Führung gab, war sehr fruchtig und ausbalanciert. Es ist ein sehr leichter Whisky.

Tour

Die Brennerei-Tour begann mit einem Blick auf den kleinen Wasserfall am Fuße des Hausberges. Das wertvolle Wasserreservoir im Vulkangestein wird für den Glengoyne-Whisky verwendet. Wir haben die Tour an der Schrotmaschine fortgesetzt und den Prozess des Austreibens, Trocknens und Schrotens beleuchtet. Die zweite Station war der Maischebottich. Die Glengoyne-Brennerei war an diesem Tag nicht in Betrieb und viele Wartungsarbeiten wurden durchgeführt. Das hat auch die Vorteile bei der Führung. Die Temperaturen in der Brennerei sind deutlich geringer. Überall ist das Fotografieren gestattet und auch die Dimensionen der leeren Bottiche sind besser abzuschätzen. Den nächsten Halt haben wir bei den bekannten Brennblasen, den Stills, gemacht.  Ihre Konstruktionsform hat einen signifikanten Einfluss auf den Whisky. Ich habe im Artikel(LINK) einen kleinen Exkurs zur Bedeutung der Stills gegeben.

 

Die letzte Station der Führung war in dem alten Trockenofen, der zu einer exemplarischen Lagerstätte umgebaut wurde. Sophie, die uns durch die Brennerei führte, ist auf die Besonderheit der europäischen und amerikanischen Sherry-Eichenfässer eingegangen. Zusätzlich wurden die unterschiedlichen Fässer dargestellt. Die Visualisierung des Veränderungsprozesses über 30 Jahre Whiskyreifung durch die Darstellung von 31 einzelnen Flaschen ist sehr gelungen. Die farbliche Veränderung und der Volumenverlust über die Zeit war deutlich dargestellt. Das angewendete Prinzip war unkompliziert, jedoch wirkungsvoll. Sophie ist nochmal auf den Verlust aufgrund der Verdunstung des Whiskys, den sogenannt „Angels share“, eingegangen. Vom Standpunkt des Investors ist diese natürliche Verknappung besonders alter Whiskys nicht unbedingt ein Nachteil. Insbesondere bei Single-Cask-Abfüllungen fällt dieser Einfluss besonders ins Gewicht.

Destillery only Bottles

Wie schon in einem früheren Artikel  angemerkt, sind „Destillery Only“-Abfüllungen ein lukratives Investment. Ich habe mich entschieden, zwei Flaschen des 14-jährigen Single Cask Glengoyne #3651 in mein Investment-Depot aufzunehmen. Womit ich nicht rechnete, war die selbstständige Abfüllung. Die Verkäuferin leitete mich an, die beiden Flaschen abzufüllen und alle weiteren Schritte selbst zu absolvieren. Die Versiegelung der Flaschen misslang, da ich zu akkurat und damit langsam war. Bei der ersten Flasche musste ich den Prozessschritt mit einem neuen Siegel wiederholen. Es war eine sehr mitreißende Erfahrung und ich bin auf den Ertrag gespannt. Woher der Whisky in diesen beiden Flaschen stammt, wissen Stephan und ich sehr gut.

Glengoyne 12 years
Glengoyne Destillerie

Spontaner Zwischenstopp Loch Lomond

Das komfortable Zeitpolster haben wir genutzt, um die Verpflegung für die nächsten Tage zu sichern. Wir hielten nach einer weiteren Brennerei Ausschau und stellten fest, dass Loch Lomond auf dem Weg liegt. Prompt wurde dieses Ziel als nächster Routenpunkt definiert. Sehr euphorisch angekommen, haben wir eine deutlich größere und industrialisierte Brennerei vorgefunden. Allerdings gab es kein offizielles Visitor-Center und damit waren nur ein paar Fotos außerhalb des Zauns möglich.

 

Reise nach Islay

Der letzte Tagespunkt war die Ankunft auf Islay. Wir haben direkt den Fährhafen Kennacraig angesteuert, der uns mit einer 2,5 stündigen Fährüberfahrt nach Port Ellen auf die Insel Islay führen sollte. Die Fahrt nach Kennacraig geleitete uns durch eine eindrucksvolle Landschaft mit diversen Lochs.

 

Einen weiteren ungeplanten Halt machten wir in Inveraray. Dieser idyllische Ort hat ein äußerst bekanntes Schloss . Wir haben direkt am Wasser gehalten und die Kernstadt bei einem leckeren Softeis unter die Lupe genommen. Die Besichtigung der Old Church und des Glockenturms war eine willkommene Abwechslung. Wir sind frühzeitig am Port Kennacraig angekommen. Dort habe ich unsere Tickets ausdrucken lassen. Bis zur Ankunft der Fähre haben wir die reizende Atmosphäre am Meer genossen.

 

Angekommen auf der Fähre haben wir einen gemütlichen Platz am Oberdeck gefunden. Ich habe einen Teil der Überfahrt genutzt, um meine frischen Eindrücke zu dokumentieren. Ungefähr 30 Minuten vor der Ankunft in Port Ellen war es dann so weit. Ardbeg als erste Brennerei Islays war an der Küste zu erkennen. Die Vorfreude auf den nächsten Tag stieg vor dieser grandiosen Naturkulisse. Wenige Minuten später war Lagavulin und Laphroiag zu sehen. Die Einfahrt in den Fährhafen Port Ellen mit den vielen weißen Häusern und Segelbooten kurz vor dem Sonnenuntergang war fesselnd. Unser Nachtlager haben wir uns an einer abgelegenen Bucht nördlich von Ardbeg eingerichtet. Die erste Nacht im Camper haben wir mit der Alarmanlage des Fahrzeugs gekämpft. Die Bedienungsanleitung hat dem Spuk ein Ende bereitet und unseren Schlaf gerettet.

 

Tag 3 – 4 Destillerien auf einen Streich

Der dritte Tag hatte mit den Zielen Lagavulin, Ardbeg, Laphroiag und Bruichladdich das straffeste Programm. Der Morgen startete mit einem Lauf entlang von Ardbeg und Lagavulin. Die besagten Brennereien standen als erste auf der Agenda. In der morgendlichen Ruhe ohne Touristen erschien mir diese sehr anmutig und ich erlangte einen anderen Zugang zum „Wasser des Lebens“.

 

Lagavulin – 24 Stundenproduktion im Traditionsunternehmen

Tour durch die Brennerei

Die erste Brennereibesichtigung war bei Lagavulin um 09:30 Uhr. Nach einer kurzen Einführung zum geschichtlichen Hintergrund und dem Footprint der Destillerie begannen wir den Rundgang bei der Mühle, die schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Das Mälzen der Gerste wurde vollständig ausgelagert und täglich angeliefert. Das Schroten wird noch selber mit einer alten Mühle nach einem festen Verhältnis durchgeführt.

 

Alle 6 Stunden wird der Maischbottich gefüllt und der Maischprozess, der vorrangig dem Gewinn des Zuckers dient, eingeleitet. Das Maischen dauert ca. 5,5 Stunden und nach der Reinigung wird dieser Prozessschritt alle 6 Stunden wiederholt. Der gewonnene Zucker wird in einem der zehn Wash-Bags unter Hinzugabe von Hefe in 55 Stunden gegoren. Das riesige Fass, Wash-Bag genannt umfasst 22.000 Liter.

 

Anschließend wird der Brennprozess in zwei Phasen vollzogen. Die 22.000 Liter aus dem Wash-Bag-Behälter werden in den großen langen Stills möglichst schnell in den 25%  Low-Wine-Alkohol umgewandelt. Die Ausbeute ist nicht immer gleich. Der Low-Wine wird in einem zweiten und deutlich langsameren Brennprozess in den abzufüllenden Whisky umgewandelt.

Tasting

Wir haben zwei Lagavulin-Whiskys verkostet. Der 12-jährige Cask Stength hat eine fruchtige, torfige Nase und ist vom Geschmack sehr sanft. Er hat eine anfänglich leichte, blumige Note. Deshalb dominieren die fruchtigen Aromen. Zum Abschluss setzt sich eine dezente Rauchnote auf den Gaumen.
Der 16-jährige Lagavulin ist ebenfalls ein leichter Einstiegswhisky, der sich durch seine Sherry-Süße und eine Note von Holzfeuer absetzt. In der zweiten Phase verbreitet sich eine feine Gebäcknote und ein leicht bitterer Zitrusgeschmack.

 

Distillery only Bottles – die Qual der Wahl

Zum Abschluss eines Destilleriebesuches zählt für einen Whisky-Investor nicht nur die Verkostung, sondern die nächste Rarität. Welcher Whisky für das Investmentportfolio verlockend und profitabel sein kann, ist nicht immer die einfachste Entscheidung. Bei Lagavulin hatte ich die Wahl zwischen drei Exemplaren. Den Distillery-Only-Whisky konnte ich sogar verkosten und damit war die Kaufentscheidung besiegelt.
Zusätzlich standen die Flaschen Lagavulin Islay Jazz Festival aus dem Jahr 2017 und die aktuelle Edition Lagavulin Feis Ile zur Auswahl. Ich habe meine Bewertungskriterien (Referenz letzter Artikel) angesetzt und die interessantere Ausgabe „Feis Ile 2018“ gewählt.

 

Ardbeg – herausstechende Kultdestillerie

Die zweite Besichtigung war bei Ardbeg. Schon die Anfahrt auf das Gelände hinterlässt einen äußerst erhabenen Eindruck und verdeutlicht die besondere Stellung dieser Kultdestillerie. Die direkt am Meer gelegene Brennerei ist im dunklen grün und kalkweiß gehalten. Ardbeg hat ein weitläufiges Gelände mit vielen für die Besucher gestalteten Elementen. In der Mitte der beiden Mälzereien ist ein großer Platz mit dem Ardbeg-Logo, an dem wir auch unsere Tour mit einem kleinen historischen Rückblick starteten.

 

Tour

Die Tour über das Ardbeg-Gelände und die Brennerei war mitreißend. Unser Tourguide Ron hat die Besonderheit mit seiner kantigen Stimme hervorgehoben. Im gesamten Umfeld von Ardbeg wird konsequent die Andersartigkeit herausgestellt. Diese Polarisierung ohne Bewertung finde ich sympathisch. Ardbegs Transformation von einem Blended-Whisky-Lieferanten zu einer Premiummarke ist für mich auf der Tour am sichtbarsten geworden.

 

Die Wash-Bags sind immer noch aus Holz und werden mit unterschiedlichen Gärzeiten zwischen 55 und 70 Stunden betrieben. Die längere Gärung beschert dem Whisky eine weichere und fruchtigere Note. Auch bei diesem Prozess zeigt Ardbeg wieder seine Einzigartigkeit. Alle Destillen mit Ausnahme von Bruichladdich haben einen konstanten Gärungs- und Brennprozess.

 

Wir verfolgten die Abfüllung des frisch gebrannten Whiskys in Fässer und probierten direkt aus dem Fass. Eine strenge alkoholische, aber fruchtige Note habe ich vernommen. Die abgefüllten Fässer werden mit einem Gabelstapler über den Hof ins Lagerhaus transportiert. Die Bucht an der Lagerstelle ist voll mit Algen, was einen Einfluss auf den Geschmack des Whiskys hat. Der Whisky nimmt während der langen Lagerzeit im Fass auch Aromen der Umgebung auf.

 

Wie viele Schottische Destillen, reagiert auch Ardbeg auf die steigende Nachfrage und höheren Besucherzahlen. Die derzeit geringen Produktionskapazitäten mit ihren zwei Brennblasen (Wine Still und Spirit Still) werden erweitert. Dieser für die Produktionsmenge begrenzende Faktor wird mit dem Bau langfristig verbessert. Die Auswirkungen werden erst mittelfristig zu spüren sein. Gleichermaßen wird das Visitor-Centre deutlich um- und ausgebaut. Es ist geplant, die Besucher länger und origineller zu betreuen.

 

Tasting

Wir sind nach der Tour direkt in den Tasting Room verschwunden und hatten die Möglichkeit, jeweils zwei Ardbeg Whiskys zu verkosten. Unsere Auswahl fiel auf den Ardbeg Ten und den Uigeadail, die wir vor Ort verkosteten. Wiedermal haben wir uns zwei für den Fahrer abfüllen lassen und dabei den Corryvreckan und den Blasda ausgewählt. Die torfigen Whiskys sagten mir sehr zu.

Distillery only Bottles – No Chance

Eine Distillery only Bottle wurde leider nicht angeboten. Eine Flasche des Ardbeg Kildalton hat den Weg in meine Sammlung gefunden. Diese Sonderedition fällt ebenfalls durch die großzügige und erhabene Verpackung auf.

 

 

Quelle: www.fosm.de

Laphroiag –

Bei der Ankunft an der Destillerie Laphroiag fällt sofort das entzückend gestaltete Gelände mit Liebe zum Detail auf. Die Menschen, die mit Gummistiefeln in der Hand an uns vorbeigingen, haben mich etwas irritiert. Es stellte sich später im schön gestalteten und gemütlichen Visitor-Center heraus, dass diese Menschen ebenfalls „Friends of Laphroig“ waren und ihren geschenkten Quadratfuß mit ihrer Landesflagge markierten. Meine Besitzurkunde druckte ich mir direkt im Visitor-Center aus.

 

Tour

Die Tour durch die pausierende Destillerie war mitreißend und wir durften an allen Orten fotografieren. Interessanterweise werden noch 20% der Gerste auf den Malzböden Laphroiags gemälzt. Der Rest wird in der Port-Ellen-Mälzerei zugekauft und täglich angeliefert. In diesem fünf- bis sechstägigen Prozess werden Enzyme aktiviert, die später die Stärke der Gerste in Zucker umwandelt.

 

Die ausgetriebenen Gerstenkeime werden in den bekannten Darröfen getrocknet, um die Keimung abzubrechen und Pilze sowie andere Schädlinge abzutöten. In diesem Prozess wird der für einige Whiskys typische Rauchgeschmack eingebracht. Die restlichen Prozesse verlaufen ähnlich zu den anderen Brennereien. Auch Laphroiag besitzt sechs Wash-Bags (je 42.000 Liter) und drei Wash-Stills für den Low-Wine. Der abzufüllende Whisky wird in den vier Spirit Stills gebrannt.

 

Tasting

Im Anschluss der Tour haben wir ein geschicktes Verkostungssystem kennengelernt. Wir haben ein Umhängeband mit einem Glas und drei „Drams“ erhalten. Diese Drams waren ein Bestand eines Wertmarkensystems. Damit hatte ich die Möglichkeit, entweder drei günstige Standardabfüllungen oder eine exklusive Abfüllung zu verkosten. Ein Mittelweg durch die Auswahl zwischen einer höherpreisigen und einer Standardabfüllung war ebenfalls gegeben.

Wir haben uns für die Drivers-Editionen entschieden, da die nächste Brennereibesichtigung bei Bruichladdich kurz bevorstand. Die Verkostung genossen wir in aller Ruhe am nächsten Abend bei einem traumhaften Sonnenuntergang am Glenfiddich Hausberg.

Der 10-jährige Laphroiag bot einen leichten Einstieg in den Abend. Die torfig, rauchige Note kommt schnell zum Vorschein und wird durch einen fein salzigen Geschmack abgelöst.
Den Laphroiag Quarter Cask empfand ich als intensiv mit einer klaren torfigen, holzigen Note. Die Abwechslung des salzigen und süßlichen Geschmacks war ebenfalls ansprechend. Trotzdem fehlte mir die Komplexität in diesem Whisky.

 

Distillery only Bottle – Stock empty

Eine exclusive Edition war im Laphroiag-Shop nicht erhältlich. Damit zog der Whisky-Investor mit einer spannenden Führung und ein paar Drams im Gepäck weiter zur nächsten und letzten Brennerei an diesem Tag.

 

Bruichladdich – alter Charme gepaart mit innovativen Ansätzen

Nach der Laphroiag-Besichtigung haben wir uns direkt in unseren VW Caddy begeben und sind eine halbe Stunde in den Nord-Westen Islays gefahren. Die Anfahrt war faszinierend, da ein Großteil der Strecke „Single-Track-Road“ mit intensivem Gegenverkehr war. Bei der Ankunft an der Bruichladdich-Destillerie fiel sofort die herausragende Lage am weißen Sandstand auf. Dieser positive Eindruck setzt sich bei dem ungewöhnlich hippen Team der Bruichladdich Brennerei fort.

Tour

Die Technik ist uralt und analog. Es war nahezu keine neuartige Messtechnik im Einsatz. Selbst die Mengenerfassung der zu schrotenden Gerste wird weiterhin auf einer Tafel mit Kreide festgehalten. Die Schrotmaschine ist ebenfalls eine von vier übrig gebliebenen Veteranen, die seit über 100 Jahren existieren und mit mehreren Bandriemen angetrieben werden. Im Gegensatz zur Schwester bei Ardbeg ölte diese fleißig vor sich hin.

Der Maischbottich ist bisher die Grundlage für alle Abfüllungen in der 137-jährigen Brennereigeschichte. Weder die manuelle Reinigungsmethode mit Schlauch, noch das offene Konzept ist aufgrund des Wirkungsgrades besonders vorzeigbar.

 

Die eichenhölzernen Wash-Bags haben das Standardmaß und waren ungewöhnlich gewöhnlich. Die Besichtigung der Brennblasen, vermittelte den Eindruck der auffälligen Experimentierfreudigkeit von Bruichladdich. Der Brennmeister werkelte in seinem Revier und öffnete eine der drei heißen Stills. Hier rauchte und dampfte es – das war für alle Besucher faszinierend. Eine weitere Brennblase, die „Ugly Betty“ wurde für die Gin-Herstellung beschafft. Das Bruichladdich Team entwickelt sich bewusst in anderen Bereichen weiter, um wieder neue Aspekte in ihre Whisky-Brennkultur einbringen zu können. Dieses Mindset unterstreicht Bruichladdich’s Leitgedanke „Progressive Hebridean Destillers“.

 

Ein weiteres Highlight war die Besichtigung der Lagerräume. Wir durften uns dort frei bewegen und alle Fässer genau unter die Lupe nehmen. Das älteste Fass in dem uns zugänglichen Bereich war auf 1990 datiert, was einen reizvollen 28-jährigen Single Malt hervorbringen dürfte. Mittlerweile sind über 200 verschiedene Fässertypen in den Lagern dieser Destillerie, da sehr viel experimentiert wird. Die Fassgrößen, Herkunftsregionen und vorherigen Spirituosen in den Fässern haben einen erheblichen Einfluss auf den Whisky.

Ein Fass mit Plexiglaswänden wurde ausgestellt, um für einen Kunden den kontinuierlichen Verlust „Angle Share“ zu dokumentieren. Eine weitere Beobachtung war der dunkle Schimmelpilz Baudoinia compniacensis, der durch diese kontinuierliche Verdunstung gefördert wird und sich an den Mauern der Lagergebäude ablegt.

 

Tasting

Bei Bruichladdich haben wir auf das Tasting vor Ort verzichtet und sind mit Proben des Octomore und „The Classic Laddie“ direkt zur Fähre gezogen.

 

Destillery only Bottle – Eigene Abfüllung des 14-jährigen

Dieses Mal war ich gezwungen meine Abfüllung vor der Tour abzufüllen, da wir direkt nach der Besichtigung auf die Fähre nach Port Askin eilten. Ich habe mich für den 14-jährigen Bruichladdich Single Cask entschieden. Eine kleine Unkonzentriertheit meinerseits hat dafür gesorgt, dass 0,55 Liter den Weg in meine persönliche Abfüllung gefunden haben. Mittlerweile habe ich bereits eine Routine entwickelt, wie diese Abfüllung, das Labeln und Versiegeln funktioniert. Die Flasche ist schön gestaltet und freudig habe ich meine neue Errungenschaft eingepackt.

 

 

 

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