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Mein erstes Whiskytasting

Ich beschäftige mich schwerpunktmäßig mit dem Investieren in Whisky. Meine persönliche Wertschätzung des Whiskys steigt täglich. Zudem ist es wichtig zu verstehen, was die Kunden an diesem hochwertigen Produkt schätzen. Kurzfristig bot sich mir die Chance eines Whiskystastings in der Nähe von Bietigheim.

Das Küchenstudio in Marbach (Neckar) war der Ort der Wahl und bot ein ansprechendes Ambiente. Die Einrichtung war hochwertig und die gesamte Verkostung wurde mit spannendem Bildmaterial vom Veranstalter untermauert. Ich fühlte mich sofort in die facettenreiche Welt Schottlands versetzt.

Der Veranstalter, Herr Weber, konnte jeden Teilnehmer ab der ersten Sekunde mit seiner Begeisterung für Whisky einfangen. Die 14 Teilnehmer bestanden aus zwei Damen und 12 Herren. Das Alter lag zwischen Mitte 20 bis Ende 50 Jahre. Die Erfahrung auf dem vielseitigen Gebiet Whisky reichte von blutiger Anfänger bis zum angehenden Experten. Ich reihe mich derzeit in der ersten Hälfte ein. Jedoch steigt mein Wissensdurst von Tag zu Tag.

Festes Ritual

Wir haben insgesamt sechs Whiskys verkostet und uns auf ein festes Ritual eingeschworen:
  • Der Whisky wurde in einem Nosingglas ausgeteilt und zunächst aus der Ferne begutachtet. Es wurden ein paar Rahmeninformationen zum Whisky und der Destillerie verteilt. Herr Weber hatte zu jeder Destillerie persönliche Fotos, was ich als sehr angenehm und authentisch empfand.
  • Die Beurteilung der Farbgebung gibt bereits erste Hinweise auf das gelagerte Fass und das Alter des Whiskys. Das angeschrägte Nosingglas wird gedreht und anschließend gegen das Licht beobachtet. Die rückbleibende Linie gibt Hinweise, wie ölig der Whisky ist.
  • Das Trinken wurde mit einem Trinkspruch und dem traditionellen Spruch "Slainte mhath" eingeleitet.
  • Dann war es endlich so weit, der Whisky durfte auf die Zunge und verweilte dort mehr als 10 Sekunden. Die geschmackliche Explosion des Whiskys auf der eigenen Zunge sowie die Reaktionen in der Kennerschaft waren sehr interessant. Besonders beim Ardbeg waren die Reaktionen sehr intensiv.
  • Anschließend haben wir die Tasting-Bewertungen eines anerkannten Verkosters nachvollzogen. Einige Geschmacksempfindungen des Profis blieben allen Teilnehmern ein Rätsel.
  • Die Pausen wurden jeweils mit einem thematischen Exkurs gefüllt. Hierbei hat Herr Weber folgende Themen sehr anschaulich beleuchtet:
    • den Herstellungsprozess und dessen Besonderheiten,
    • die kleinste Destillerie auf dem Schottischen Festland,
    • den Einfluss der Pot Stills auf den Geschmack des Whiskys,
    • den Corryvreckan-Strudel der Schottischen Meerenge.

Whisky Auswahl

Riverflow "Speyside Single Malt Whisky"


Edradour 12-year-old


Jura 10-years-old


Bunnahabhain 12-year-old


Ardbeg Corryvreckan



Slainte mhath

Der Schottische Whiskygenießer hat einen eigenen Trinkspruch -"Slainte mhath". Slainte oder besser Slainte mhath ist gälisch und nichts anderes als Prost. Direkt übersetzt lautet es "Gute Gesundheit". Eine kleine Youtube-Lehrstunde gefällig? Speak Outlander Lesson
Herr Weber sagte lautstark Slainte. Wir erwiderten mit Slainte mhath.

Hinzugabe von Wasser

Scotch Single Malt Whisky ist eine besondere Form der Spirituose und wird in der Regel zum Genuß getrunken. Hierzu tragen vor allem die enthaltenen Geruchs- und Geschmacksstoffe bei. Verschiedene Methoden können dazu beitragen, den Genuss von Whisky zu erhöhen, indem sie die Freisetzung von Geruchs- und Geschmacksstoffen verstärken. Dies wird normalerweise durch Verdünnung mit Wasser erzielt. Die meisten im Handel erhältlichen Whiskys mit 40-46 Volumenprozent Alkohol sind bereits mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt worden. Die weitere Herabsetzung des Alkoholgehaltes durch Zugabe von stillem Mineralwasser ins Glas auf 35% kann das Bukett weiter positiv beeinflussen.

Exkurs Brennblasen (Arten der Pot Stills)

Zur Herstellung von Single Malt Whisky werden kupferne Brennblasen verwendet. Kupfer reinigt die Spirituose von schwefligen Komponenten und Fuselölen. Je mehr Kontakt die Spirituose mit Kupfer im Herstellungsprozess hat, desto reiner und leichter wird sie. Der genaue Ablauf ist auf Whisky.de sehr gut und anschaulich beschrieben. Weitere Details zu schottischen Pot Stills und deren Einfluss auf den Whisky ist im Artikel von Philip Reim "Was dir die Form der Pot Still über deinen Single Malt verrät" zu finden.
Im Tasting sind wir auf den Einfluss folgender Brennblasenformen auf den Geschmack eingegangen:
  • Onion Still
  • Boil-Ball (Milton Ball) Still
  • Lamp Glas (Lantern) Still
  • Straight Still

Einführung einiger Whiskylegenden

Aufgrund der ausgewählten Whiskys im Tasting wurden ein paar herausragende Persönlichkeiten der Hersteller vorgestellt. Zusätzlich schwärmte Herr Weber von der fachlichen Kompetenz Jürgen Deibels.
  • Morrision and MacKay vermarktet insbesondere Abfüllungen der Region Speyside. Eine neue Brennerei ist in Planung.
  • Hunter Laing ist bekannter unabhängiger Abfüller und Whiskyblender. Das Unternehmen wurde besonders durch Stewart Laing geprägt. Er hat sein Handwerk in der bekannten Brennerei Bruichladdich erlernt. Selbst beschreibt er diesen Lebensabschnitt als beste und lehrreichste Zeit.
  • Jürgen Deibel ist Ikone in der Whiskyszene. Der Diplom-Chemiker ist jedoch auch auf den Gebieten Vodka, Rum, Sherry und Port ein wahrer Kenner. Er ist Klubmitglied der Whisky Enthusiasten Ambassador Club Gruppo Campari.

Exkurs - Whiskymarkt

Für einen Whiskyinvestor war der kleine Exkurs über die Entwicklung auf dem Weltmarkt besonders spannend. Der Absatz steigt von Jahr zu Jahr entgegen vieler Prognosen. Am Ende zählt der Bedarf der Kundschaft und dieser scheint sehr hoch zu sein. Der Umsatz von Schottischem Single Malt Whisky stieg in 2017 um 8,9%. Das Absatzvolumen erhöhte sich um 1,6%. Daraus ist zu schließen, dass der Wert pro Whisky-Flasche im Erstverkauf ebenfalls stieg. Eine sehr gute Voraussetzung für einen Investor. Die größten Umsätze werden in diesen Ländern erzielt:
  • 1. USA - £922.000.000 +7.7% (£856.000.000 in 2016)
  • 2. Frankreich- £433.000.000 +2.1% (£424.000.000 in 2016)
  • 3. Singapur - £291.000.000 +29.4% (£225.000.000 in 2016)
  • 4. Deutschland- £184.000.000 +13.5% (£162.000.000 in 2016)
  • 5. Spanien- £175.000.000 +5.2%(£166.000.000 in 2016)
  • 8. Lettland- £120.000.000 +105% (£59.000.000 in 2016)
  • 9. Südafrika - £114.000.000 +20.7% (£95.000.000 in 2016)
Die Nachfrage in den Ländern China und Indien steigt unverhältnismäßig stark. In der Statistik taucht lediglich Singapur auf, da der Asiatische Markt hierüber weitestgehend beliefert wird. Ich habe die Daten direkt von der Scotch Whisky Association bezogen. Ebenfalls war die Destillerieverteilung auf die großen Konzerne interessant. Ein dominanter Vertreter ist Diageo, der Rang 8 der größten Konzerne für Nahrungsmittel und Getränke besetzt und 2017 einen Marktwert von 71,2 Milliarden € inne hatte. 40 Destillerien sind in dessen Besitz. Ein weiteres Schwergewicht auf dem Markt ist Pernod Ricard. Eine Übersicht der Whisky-Konzerne ist hier zu finden. Drei Absatzmärkte haben mich persönlich stark überrascht - Frankreich, Deutschland und Lettland. Mit Frankreich als größter Abnehmer in Europa habe ich nicht gerechnet. Dementsprechend werde ich auch später beim Verkauf meiner Sammlung auf diesen Markt gezielt achten. Lettland als Transfertor zu Russland weist enorme Wachstumszahlen auf. Gerade im Premiumsektor der russischen Bevölkerung findet das hochwertige Gut Whisky zunehmend Anerkennung. Derzeit laufen 17 weitere Brennereien auf Hochbetrieb, deren Produkte aufgrund der langen Lagerung noch nicht auf dem Markt sind.Die Fässer verknappen und die Jahresangaben auf den Flaschen werden zunehmend aus dem Sortiment verschwinden. Die Brennereien können die Menge an alten Fässern nicht mehr hervorbringen und somit wird jüngerer Whisky hinzugefügt. Die Altersangabe der Abfüllung wird dann durch das jüngste Fass definiert.  

Anregungen zum Reisen

Die vielen Bilder und kleinen Geschichten waren bereits eine kleine Reise durch die exotische (Brennerei-)Landschaft Schottlands. Da der Veranstalter auch Reisegruppen durch Schottland begleitet, bekamen wir viele Informationen aus erster Hand.
  • Die Entdeckung der Kultdestillerieinsel Islay ist auch mit einer speziellen Segelschifftour möglich.
  • Die kleinste Festlandsbrennerei Edradour bietet tolle Führungen und hat ein sehr interessantes Besucherzentrum.
  • Die Mittagsverpflegung der Destillerie Ardbeg ist sehr gut und eine direkte Empfehlung Herrn Webers.
  • Die Küstenstädtchen im Norden Schottlands sind sehr idyllisch. Insbesondere das kleine Fischerdorf MacDuff hat einen besonderen Charme.
  • Ein Botsausflug zum Meeresstrudel Corryvreckan bietet ebenfalls ein besonderes Erlebnis. Ein anschauliches Youtube-Video ist hier zu finden.
  • Die Fährverbindung von Kennacraig nach Port Ellen (Insel Islay) bietet im Endanflug eine besondere Perspektive. Es erscheinen im Fünfminutentakt die Kultdestillerien Ardbeg, Lagavulin, und Laphroaig.

Kaufliste

Am Ende des Abends bleibt folgendes Fazit. Die Verkostung war sehr gelungen. Die Auswahl aller fünf Whiskys war sehr gut. Ich habe mich vom Standpunkt des Investors für zwei Whiskys entschieden und stelle gerne meine Begründung vor.
  1. Edradour 12 Jahre Caledonia Selection
    Die Whiskys aus der kleinsten Destillerie mit einer Jahresproduktion von 95.000 Litern sind grundsätzlich etwas besonderes. Hinzu kommt, dass dieser Whisky auch geschmacklich sehr interessant für mich war. Er besitzt einen süßlichen Hauch im öligen Körper und weiche, fruchtige Geschmacksnoten. Der Besitzer wechselte 2002 von Pernod Ricard zu Andrew Symington der auch den bekannten Abfüllerbetrieb Signatory führt. Ich werde mir ausgewählte Flasche zulegen und testen, welchen Wertzuwachs, diese Marktexoten mit sich bringen.
  2. Ardbeg Corryvreckan
    Whiskys der Brennerei Ardbeg sind für ihren rauchigen Charakter bekannt. Der Corryvreckan ist eine Sonderedition, die von Kennern sehr hohe Bewertungen erhält. Dieser Ardbeg ist geschmacklich besonders komplex und intensiv. Ich habe den Wechsel von dunklen Früchten, der Espressonote und dem rauchigen Charakter genossen. Ich war von der ersten Sekunde überzeugt und stelle in meiner Recherche fest, dass ich bei weitem nicht der einzige bin.
Ich habe das Produkt Whisky und dessen hohen Wert von einer anderen Seite kennengelernt und weiß, dass ich hier anknüpfen werde.

2 Kommentare

  1. Claudia sagt:

    Hallo Steffen, ich finde den eben erschienenden Artikel sehr interessant. Du hast mir neben sehr interessanten spezifischen Informationen zur Herstellung auch durchaus Lust auf die Teilnahme an einer Verkostung gemacht.
    Ich glaube die Atmosphäre während so einer Veranstaltung ist unbeschreiblich. Bleibt das Fazit, dass Whisky durchaus sowohl als Wertanlage als auch als Genussmittel einen hohen Stellenwert hat. LG Claudia

    • InWhiskment sagt:

      Hallo Claudia,

      ich war auch sehr verblüfft, welchen Mehrwert dieser persönliche Kontakt in dieser besonderen Runde für mich brachte. Ich kann die Tastings sehr empfehlen und halte selber auch schon wieder Ausschau nach der nächsten Verkostung.
      Zudem laufen meine Urlaubsvorbereitungen für die Vorortbesichtung angesagter Destillerien im Juli. Genaueres werde ich im nächsten Artikel bekannt geben.

      Viele Grüße
      Steffen

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